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ALUMINIUM 2018 12. Weltmesse & Kongress
09. – 11. Oktober 2018
Messe Düsseldorf

Die europäische Walzindustrie

Produktion, Kapazitäten, Wachstumspotential bei neuen Anwendungen

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Die europäische Walzindustrie hat im Jahr 2017 rund 5,2 Millionen Tonnen Walzprodukte hergestellt. Diesem Angebot steht eine Nachfrage in nahezu gleicher Größenordnung entgegen (Bedarf 2017: 5,22 Mio. t), gegenüber 2016 war das ein Anstieg um 3,6 Prozent. Walzprodukte finden in der Verpackungsindustrie, dem Verkehrssektor, im Maschinenbau, der Elektrotechnik, der Bauwirtschaft und anderen Bereichen Verwendung. Der Verpackungsmarkt ist dabei der quantitativ wichtigste Absatzmarkt für die Walzwerke.

Als größtem Markt und Produktionsstandort innerhalb der europäischen Aluminiumwalzindustrie kommt Deutschland eine wichtige Indikatorfunktion für die konjunkturelle Entwicklung zu. Die Produktion in Deutschland stieg 2017 um rund 4.000 Tonnen leicht auf 1.861.100 Tonnen. In Deutschland wurden im Jahr 2017 alleine 1,504 Millionen Tonnen Walzprodukte bzw. 30 Prozent der europäischen Produktion abgesetzt. Dies entspricht einem Anstieg von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist Deutschland der bei weitem größte Abnehmer für Walzprodukte in Europa. Allerdings finden nicht alle Produkte ihren endgültigen Verwendungszweck in Deutschland, sondern werden auch in andere Länder durchgehandelt.


Nach Deutschland ist Großbritannien mit einem Marktanteil von 11 Prozent der zweigrößte Abnehmer der europäischen Walzindustrie. Italien ist mit 10 Prozent der drittwichtigste Zielmarkt, hat jedoch deutlich an seiner bisherigen Bedeutung verloren. Viertgrößter regionaler Markt für die Walzindustrie in Europa ist Frankreich mit einem Anteil von 8 Prozent. Unter den fünf wichtigsten Märkten ist weiterhin Spanien mit 4 Prozent des europäischen Bedarfs zu finden.


Weltweit hohe Überkapazitäten

Weltweit ist die Aluminium-Walzindustrie durch starke Überkapazitäten geprägt. Einer Produktion von 24,9 Millionen Tonnen standen 2016 Kapazitäten von 37 Millionen Tonnen gegenüber. Für das Jahr 2020 erwartet der GDA Gesamtverband der Aluminiumindustrie, Düsseldorf, eine weltweite Produktion von 29,3 Millionen Tonnen bei Kapazitäten von dann 42,1 Million Tonnen. Insbesondere China kommt angebotsseitig eine wichtigere Bedeutung zu. In den letzten beiden Jahren stiegen die europäischen Importe aus China signifikant an und der Marktanteil Chinas in Europa stieg im Jahr 2016 auf 4,6 Prozent. Neben China werden zukünftig Anbieter aus Länder wie Russland oder Saudi-Arabien versuchen, den europäischen Markt stärker zu beliefern.


Transportindustrie ist Wachstumstreiber

Vor allem die gute Automobilkonjunktur treibt die Nachfrage nach Aluminium-Walzprodukten. Wegen der starken Nachfrage der Automobilindustrie haben alle großen deutschen und europäischen Aluminiumwalzer ihre Kapazitäten für Karosseriebleche ausgebaut. Für die Aluminiumwalzer sind Body-in-White (Außenhaut) und Vehicle Components (Fahrzeugteile) weiterhin große Zukunftsmärkte. Zurzeit entwickeln zum Beispiel viele Zulieferer gemeinsam mit Aluminium-Walzern neue Konzepte für den Einsatz von Aluminiumblechen in Autositzen. Zudem gibt es weiteres Wachstumspotential in neuen Anwendungsmärkten wie der Nutzfahrzeugindustrie bei der LKW-Kabine oder bei neuen Karosserielösungen.

Der Anteil von Aluminium-Walzhalbzeugen im europäischen Fahrzeugbau wird bis 2025 deutlich steigen. Die Substitution von Stahl durch Aluminium im Bereich der Außenhaut- und von Anschraubteilen (Hang-on-Parts = Motorhabe, Kotflügel, Türen usw.) wurde bereits bei vielen Premium- und einigen Mittelklassefahrzeugen erfolgreich umgesetzt. Der weitere Einsatz von Aluminium für Motorhauben, Kotflügel und Türen der nächsten Fahrzeuggenerationen ist bereits bei vielen europäischen OEM´s entschieden. Im Fokus der Automobilindustrie stehen neue Aluminiumlegierungen mit verbesserten mechanischen Eigenschaften wie Festigkeit, Umformbarkeit und Korrosionsbeständigkeit. Aber auch die Entwicklung von neuen Walzoberflächengeometrien und Schmierstoffen zur Verbesserung der tribologischen Eigenschaften werden vorangetrieben.

Die frühe Einbindung der Aluminium-Walzhalbzeughersteller bereits in der Fahrzeugkonzeptphase führt in der Regel zu einer optimalen Abstimmung der Aluminiumwerkstoffe auf die Anforderungen des jeweiligen Bauteils. Hierdurch lassen sich je nach Bauteilkonzept auch die Herstellkosten optimieren. Ferner werden auf internationaler Ebene in der Zusammenarbeit zwischen OEMs und der Aluminiumindustrie neue kosteneffiziente und Aluminium gerechte Konzepte entwickelt.

Ein weiterer Wachstumsmarkt für die Aluminium-Walzindustrie ist die Luftfahrtindustrie. Zurzeit boomt der Flugzeugbau, sei es in Europa, Amerika oder China. Zudem spielt Aluminium auch jenseits des Mobiitätssektors eine wichtige Rolle in der Verpackungindustrie, als Folie oder als Dosenblech. Und nicht zuletzt haben Aluminium-Walzprodukte gute Chancen in Nischenmärkten wie der Bauindustrie oder Consumer Electronics. Auch bei Spezialprodukten gibt es noch ungenutztes Potential, wie etwa dem Einsatz von Walzplatten vor allem bei industriellen Anwendungen, im Werkzeug- oder Formenbau, dem Schiffs- und Maschinenbau oder dem Nutzfahrzeugsektor.


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