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ALUMINIUM 2018 12. Weltmesse & Kongress
09. – 11. Oktober 2018
Messe Düsseldorf

Trend zur E-Mobilität beschleunigt die Anwendung von Aluminium

Hydro sieht große Marktchancen von Strangpressprofilen

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links: Wolfgang Blendl, rechts: Nunzio Cuppoletta

Im Automobilbau wird der Stellenwert des Werkstoffs Aluminium in den kommenden Jahren weiter zunehmen – sei es beim Automobil mit klassischer Antriebsart oder in der E-Mobilität. Der Werkstoff wird immer stärker auch in Volumenfahrzeugen eingesetzt – für Motoren, im Karosseriebereich, bei Strukturbauteilen oder im Fahrwerk. Mit dem Trend zum automobilen Leichtbau verfügt der Einsatz von Aluminium im Automobil über ausgezeichnete Wachstumspotenziale. Wolfgang Blendl, VP Commercial & Business Development und Nunzio Cuppoletta, Director Market Sector Automotive vom Geschäftsbereich Extrusion der Hydro in Europa, erläutern im Interview die zukünftigen Marktchancen von Aluminium-Strangpressprofilen im Automobilsektor und innovative Technologien, die in der Entwicklung sind.


Herr Blendl, der Bedarf der Automobilhersteller an Aluminiumlösungen nimmt weiter zu. Wie reagiert Hydro auf die steigende Nachfrage?

Wolfgang Blendl: Hydro hat den Automotive-Sektor als langfristigen, strategischen Markt identifiziert – in Europa, Asien und Nord-Amerika. Wichtig für uns ist eine klare Segmentstrategie und Fokussierung. Wir konzentrieren uns neben den bekannten automobilen Volumenmärkten zunehmend auf spezielle Nischen und bieten unseren Kunden damit maßgeschneiderte Lösungen für ausgewählte Anwendungen. Hierbei konzentrieren wir uns vornehmlich auf Anwendungen in den Bereichen Chassis, E-Mobility, Body & Closures and Exterior. Hier werden wir auch verstärkt investieren; sowohl in Produktion, in F & E und das Programm-Management.

Wie groß ist das Marktvolumen für Aluminium-Strangpressprofile im Automotivesektor und welche Stellung hat Hydro in diesem Markt?

Nunzio Cuppoletta: In den letzten fünf Jahren ist der Anteil an Aluminiumprofilen in Fahrzeugen stetig gewachsen. Zwischen 2013 und 2017 stieg der Gesamtverbrauch in Europa bei der Herstellung von ca. 270.000 auf 430.000 Tonnen. Die durchschnittlich pro Fahrzeug verbaute Menge nahm von 14 auf 19 Kilogramm zu. Heute ist Aluminium nach Stahl der am häufigsten verwendete Werkstoff für Bauteile wie Strukturteile, Stoßfänger, Aufhängung, Brems- und Klimaanlagenkomponenten, Verkleidungen sowie Antriebsstrangkomponenten. Dieser Bedarf wird sich bis 2025 voraussichtlich nahezu verdoppeln.
Hydro ist der größte globale Hersteller von Aluminium-Strangpressprofilen und in diesem Bereich haben wir den größten Marktanteil weltweit. In Produktsegmenten, wie Body-In-White, Dachrelingsysteme oder auch E-Mobility sind wir sehr stark am Markt vertreten; dies vornehmlich als TIER2 und in ausgewählten Fällen auch als Direktlieferant der OEMs.

Der Trend zur E-Mobilität beschleunigt die Anwendung von Aluminium. Welche Chancen für Aluminiumprofile sehen Sie in diesem Markt?

Nunzio Cuppoletta: Es zeichnet sich bereits jetzt ab, welche Veränderungen uns im Automobilbereich noch bevorstehen. Derzeit liegt die durchschnittliche Fertigungsrate für Fahrzeugmodelle mit Verbrennungsmotor bei etwa 100.000 Stück pro Jahr, während die Zahl für Plug-in-Hybrid-Modelle bei nur 30.000 liegt und die von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen lediglich bei 15.000. Dieses Verhältnis wird sich ändern und spiegelt die wachsende Vorherrschaft von Fahrzeugen mit geringem CO2-Ausstoß wider.
Die Emissionsziele der kommenden Jahre werden hier für eine andere Gewichtung sorgen. Somit ist das Potenzial für Elektrofahrzeuge beachtlich. Aluminium ist bei deren Herstellung immer gefragter und das vor allem vor dem Hintergrund, dass in einem durchschnittlichen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor etwa 19 kg Aluminiumprofile verbaut sind, während der Anteil in einem batteriebetriebenen Elektrofahrzeug im Mittel 65 kg beträgt und sich bei einigen Elektrosportwagen leicht auf mehr als 250 kg belaufen kann.
In der Fahrzeugstruktur, in E-Motoren und in der Leistungselektronik unterstützen Strangpressprofile die Hersteller dabei, neue Wege zu beschreiten. Doch am meisten profitiert der Batterierahmen von Aluminium. Stranggepresste Komponenten halten die Batterie fest, sicher und trocken.

Welche weiteren technischen Neuerungen und Innovationen sind bei Aluminiumprofilen zu erwarten?

Wolfgang Blendl: Die Sicherheit wird weiterhin ganz oben auf der Agenda stehen. Crash-Management-Systeme einschließlich struktureller Komponenten wie Seitenschweller stehen im Entwicklungsfokus bei Hydro. Zudem wird für Exterieur und Interieur – wie Dachträger, Zierleisten und weitere dekorative Komponenten – in immer stärkerem Maß Aluminium eingesetzt. Hydro verfügt über Produktionsstätten, die sich auf spezielle Legierungen hierfür sowie Beschichtungen und Oberflächenbehandlungen für diese ästhetischen Anwendungen spezialisiert haben.
Mit Blick auf die Zukunft scheint der Brennstoffzellenantrieb potentiell zum nächsten entscheidenden Konzept zu avancieren. Hydro untersucht bereits die Möglichkeiten für den Einsatz von Aluminiumprofilen in z.B. Brennstoffzellengehäusen und Zuleitungssystemen, Hybrid-Drucktanks und Gehäusen für Elektromotoren und in der Leistungselektronik. Alle Vorteile, die Aluminium für batteriebetriebene Fahrzeuge bietet, gelten auch für solche mit Brennstoffzellenantrieb. Dies wiederum trägt dazu bei, das Fahren von morgen sauberer, sicherer und angenehmer zu gestalten.

Vom 20. bis 21. Juni 2018 organisiert Hydro in Frankfurt den ersten „Automotive Lightweight Summit“. Mit welcher Zielsetzung?

Wolfgang Blendl: Der Kongress ist eine Zusammenkunft von Key-Playern, die das Interesse an Aluminium-Designlösungen für die Automobilindustrie für eine nachhaltige Entwicklung durch Innovation teilen. Mit dieser neuen Plattform übernimmt Hydro weitere Verantwortung, die Bedeutung von Aluminiumprodukten für die gesamte Branche voranzutreiben.
Unter dem Motto „Driving future solutions“ versammelt Hydro hochkarätige Referenten aus der Automobilindustrie, der Europäischen Union sowie aus der Wissenschaft. Dr. Mark White ist einer der Key Note Speaker. Zum weiteren Referentenkreis gehören der Automobilanalytiker Mario Franjicevic von IHS und Patrik Ragnarsson von European Aluminium.
Hydro stellt auf dem „Automotive Lightweight Summit“ Trends und Entwicklungen im Bereich Aluminiumlösungen vor, wozu auch die Entwicklung von Hochleistungslegierungen und Oberflächenveredelungen zählen.


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